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Interview
 

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Interviews im April 1998 mit der Heimleitung des Balashram


            Ashaben Shah und Bhanubhai Dave

 

 

 

 

 

 

1. Ashaben Shah 

·         Welche Schul- und Berufsausbildung war Voraussetzung für Ihre Arbeit im Kinderheim?
Vier akademische Grade in Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Ausbildung in der Kindererziehung und Kinderpsychologie sowie Buchhaltung und Finanzen.

·         Wie lange arbeiten Herr Bhanubhai Dave und Sie schon als Team im Kinderheim?
Seit 25 Jahren

·         Wie sieht Ihr pädagogisches Konzept für die Kinder aus? Wir haben erfahren, daß Sie schon mal mit einigen Mädchen im Freien übernachtet haben.
Ich habe das getan, um mehr über die Persönlichkeit der Kinder und ihr Denken zu erfahren. Ein weiterer Grund ist hier bei uns in Indien oft das Wetter. Die Hitze ist oft im Freien besser zu ertragen.

·         Sie wohnen und schlafen im Kinderheim. Wie trennen Sie Berufsleben und Privatleben?
Hier im Kinderheim habe ich überhaupt kein Privatleben.

·         Wie viele Stunden arbeiten Sie am Tag?
16 bis 18 Stunden am Tag.

·         Was haben Sie für ein Verhältnis zu den Mädchen aus dem Kinderheim nach deren Verheiratung?
Der Kontakt wird zu allen Kindern aufrecht erhalten. Oft besuchen sie uns mit ihren Familien und zeigen uns stolz ihre Kinder. Ich habe auch nach der Verheiratung zu allen Mädchen ein sehr gutes Verhältnis.

·         Haben Sie Kontakt zu Verwandten der Heimkinder?
Wenn Verwandte da sind, versuchen wir mit ihnen immer in Kontakt zu bleiben. Einige Heimkinder werden von ihren Verwandten von Zeit zu Zeit besucht.

·         Wie sieht die Stellung der Heimkinder in der Gesellschaft aus?
Unsere Kinder hier im Heim sind Waisen oder mittellos. Deshalb gibt die Gesellschaft in Indien ihnen keine Stellung. Das ist für uns und die Kinder sehr schmerzhaft.

·         Wie stehen Sie zu unserer Vereinsgründung?
Dieses ist sehr wichtig und es ist sehr gut für die Stärke der Beziehung von Land zu Land und von Kind zu Kind.

·         Wünsche für die nächsten Jahre?
Ich möchte den Kindern hier im Heim ein ehrenhaftes Leben in der Welt und in unserer Gesellschaft ermöglichen.
Ich möchte diese Kinder besser erziehen, isoliert von den allgemeinen Erziehungssünden in unserem Land.
In unserer Gesellschaft leben viele Kinder unter der Armutsgrenze. Ich möchte ihnen durch Förderung helfen und sie in eine bessere Erziehung, und in ein besseres Leben führen.
 

2. Bhanubhai Dave

 ·         Wie sah Ihre Schul- und Berufsausbildung aus?
      Ich habe zunächst die Universitätsabschlüsse in Psychologie, Soziologie erworben. Im Anschluß ans
     Studium habe ich eine Berufsausbildung in Kinderpsychologie in Calcutta gemacht.

·         Welche Ausbildung war Voraussetzung für Ihre Arbeit im Kinderheim?
Die zuvor genannten Abschlüsse und zusätzlich Kenntnisse des Gesellschaftsaufbaus.

·         Das Kinderheim ist ja ähnlich wie ein Betrieb mit Angestellten. Wie sieht Ihre Betriebsführung aus?
Es gibt da doch sehr große Unterschiede zwischen einem Waisenhaus und einem Betrieb. Wir müssen hier mit sehr viel mehr Gefühl und Menschlichkeit arbeiten.

·         Wie viele Angestellte arbeiten hier im Kinderheim?
Es sind insgesamt 65 in verschiedensten Bereichen.

·         Wie viel verdient ein Angestellter?
Zwischen 2.000 und 7.000 Rupien (umgerechnet zwischen ca. 100 und 350 DM)im Monat, abhängig von der Arbeit und der Verantwortung.

·         Wie hoch sind die monatlichen Kosten des Heimes?
Die monatlichen Kosten betragen ca. 370.000 Rupien (ca. 18.500 DM). Es kommt jeden Monat eine Steigerung von 0,5% hinzu.

·         Wie viele Stunden arbeiten Sie am Tag?
Soviel wie eben möglich, ohne Urlaub.

·         Haben Sie guten Kontakt zu den offiziellen Stellen der Stadt?
Ja, das ist sehr wichtig für das gesamte Kinderheim.

·         Wie ist die Stellung und die Rolle des Kinderheimes in der Stadt Rajkot?
Das Kinderheim ist sehr wichtig für die armen Waisen, die schutzlosen, vereinsamten und vernachlässigten Kinder.

·         In Indien scheiden die Leute in einem bestimmten Alter wie bei uns aus dem Berufsleben aus. Wie hat sich Ihr Leben nach Ihrem offiziellen Ausscheiden aus dem Berufsleben im letzten Jahr verändert?
Es gibt kaum Veränderungen in meinem Leben. Ich habe es immer gemocht dem ärmeren Teil der Gesellschaft zu helfen, hilflosen Kindern und Opfern der Gesellschaft. So wird es auch bleiben. Ich bin nach wie vor täglich im Heim und mache meine Arbeit.