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Ashabens Arbeit - das Projekt "Dropout Schools" in Rajkot (Bericht 2006)

Vier der fünf "Dropout Center" laufen nun schon seit 2 Jahren. Auch das 5. Zentrum hat in diesem Jahr mit Unterstützung der Freunde aus Deutschland den Betrieb aufgenommen. In Indien ist der Lebensunterhalt viel teurer geworden, so dass die Menschen aus den Slums ihre Kinder arbeiten schicken um sich die Grundbedürfnisse ihrer Familien zu erfüllen. Eine anständige Schulausbildung wird da als erstes vernachlässigt. Die Regierung privatisiert den Bildungsbereich zunehmend, so dass sich die Schulen selbst finanzieren müssen und natürlich zunächst das Schulgeld erhöhen. Unter diesen Umständen ist die Bildung die Ashaben den Kindern in den Slums ermöglicht, von sehr großer Hilfe. Dieses Projekt und Ashabens Arbeit vor Ort ist ausschließlich ein Projekt der Rajkotfreunde und das Ergebnis Ihrer Unterstützung. Das Volumen für dieses Projekt belief sich in 2006 auf 8.650,- €.

Das "Dropout Center" Lodheswar Society liegt in einem sehr armen Gebiet. Über 70 Kinder hat dieses Center seit seiner Eröffnung aufgenommen und helfen können. Zurzeit gibt es hier 35 Schüler, von denen 18 lernschwach, 15 normal entwickelt und 2 recht Pfiffig sind. Die anderen Kinder, die das Center in der Vergangenheit aufgenommen hat, gehen inzwischen zur Schule. Das Center achtet darauf, dass die Kinder regelmäßig in der Schule erscheinen und kauft ihnen Bücher, Schuluniformen, usw. Zusätzlich werden regelmäßig Gesundheitschecks durchgeführt.

Das Hingraj Nagar Center befindet sich in einer Gegend wo vorwiegend Schaf­hirten wohnen. Die Gemeinschaft der Hirten gilt als rückständig und sehr starrsinnig. Es war anfangs sehr schwierig hier dieses Center aufzubauen und zu betreiben. Bisher wurden hier ca. 100 Kinder geschult. Zurzeit beherbergt das Center 36 Schüler, unter ihnen 11 lernschwache die von Anfang an hier sind. Andere, bei denen mathematische und sprachliche Grundkenntnisse geschult wurden, konnten das Center inzwischen verlassen und zur normalen Schule wechseln. Nachmittags helfen sie den Eltern. Auch hier stehen Bildung und Gesundheit unter ständiger Beobachtung der Center Mitarbeiter.

Das dritte Center heißt University Area. Wie der Name schon sagt liegt es nahe der Universität von Rajkot. Die Eltern der Kinder hier sind Hilfs- und Gelegenheitsarbeiter im Straßen- und Abwasserbau. Sie leben hier höchstens ein Jahr und ziehen dann weiter. An die Ausbildung der ihrer Kinder denken sie in den seltensten Fällen. 50% der Eltern sind in ihrem Beruf erfolgreich und können ihren Kindern eine Schulausbildung ermöglichen. Derzeit sind 38 Kinder in diesem Center. 70 waren bereits hier und können jetzt lesen und schreiben.

Das Center Lodhwad Chock läuft jetzt fast ein Jahr. Seit Beginn sind immer noch die gleichen Schüler hier. Ab Beginn des kommenden Jahres werden viele von ihnen zur Schule gehen. Diese Kinder müssen weiterhin halbtags arbeiten um mitzuhelfen die schlechte Situa­tion ihrer Familie zu verbessern. Zurzeit sind 42 Kinder in diesem Center. Neben der Ausbildung werden hier künftig auch die medizinische Versorgung und Kontrolle des Schulbesuchs der Kinder im Mittelpunkt stehen.

Das neue Center Manseta Chock liegt in einer Armengegend mit unterschiedlichen Arbeiterklassen und wird hier seit 5 Monaten betrieben. Viele sind Hilfsarbeiter in der örtlichen Industrie. 30% von ihnen müssen ihren Arbeitsplatz oft wechseln. 35 Kinder zwischen 15 und 18 Jahren ohne jegliche Bildung wurden bereits aufgenommen. Alle haben auch Aushilfsjobs in der umliegenden Industrie. Zur Zeit überprüfen wird in diesem Center, wie auch zu Beginn in allen anderen Centern überprüft, ob alle Kinder bereit und willig sind die von Ashaben angebotene Grundausbildung anzunehmen. Eine Regelmäßigkeit für alle Kinder ist in allen Centern Voraussetzung.

 

 

Projekt "drop-out-schools" (Bericht 2005)

Sie erinnern sich? In unserem letzten Rundbrief stellten wir Ihnen unser neues Indienprojekt, die "drop-out-schools" vor. Ein angemietetes Gebäude in einem Armenviertel von Rajkot mit einem 10 qm Zimmer. Auf dem Fußboden, ca. 20 Mädchen und Jungen die gespannt den Ausführungen ihrer Lehrerin folgen. Es ist nachmittags. Morgens haben diese Kinder keine Zeit am normalen Schulleben teilzunehmen, sie gehen arbeiten oder müssen daheim helfen und auf jüngere Geschwister aufpassen.

Auch in Rajkot lebt ein Drittel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze in Slumgegenden. Auf Grund der fehlenden Familienplanung gibt es viele Kinder. Diese sind größtenteils ungebildet. Eltern arbeiten nur für das Überleben ihrer Familien und kümmern sich nicht um die Schulbildung ihrer Kinder. Die Kinder fallen aus dem normalen Schulbetrieb heraus, "drop-outs". Die Eltern glauben auch, dass ihre Kinder im Alter Bildung wie sie selbst als unwichtig erachten und schicken sie dann lieber gleich zur Arbeit.

Die ehemalige Heimleiterin des Kathiawar Balashram, Ashaben Shah ist seit nunmehr fast 2 Jahren mit Ihrer und unserer Unterstützung in den Armenvierteln tätig. Bislang wurden 4 Zentren aufgebaut. 3 weitere Zentren sind in der Planung und bereits bei der Kommunalverwaltung im Bundesstaat Gujarat beantragt. Zur Betreuung und Unterrichtung der Kinder in den Zentren gehört auch ein regelmäßiger Gesundheitscheck. Gerade hat Ashaben bei allen Kindern das Blut untersuchen lassen. Im Anschluss erfolgte eine Impfung.

Lodheswhar Society war das erste Zentrum mit dem Ashaben ihre Arbeit begann. Es liegt in einer sehr armen und unterentwickelten Gegend. 2/3 der Menschen hier haben ein hohes Vorstrafenregister. Anfangs versuchten sie das Zentrum zu verhindern indem die Lehrer bedroht wurden. In vielen Gesprächen konnten die Bewohner der Gegend von dem Projekt überzeugt werden. Heute kommen täglich 35 Kinder zum Unterricht. Sobald Kinder in der Lage sind, am normalen Schulalltag teilzunehmen, rücken neue Kinder nach. Die Kinder bekommen Schultaschen, Bücher, Hefte, Stifte an die Hand.

Auch der leitenden Angestellten an dieser Schule wird geholfen. Diese Hilfe ist Teil unseres zweiten neuen Projektes. Ashaben und die Zentren sind Anlaufstelle für ehemalige Waisen aus dem Kathiawar Balashram, die ihren Mann beispielsweise durch einen Unfall verloren haben. Die Leiterin hier war Waisenkind im Balashram bevor sie 1976 geheiratet hat. Sie wurde von ihrem Mann verlassen. Ihr einziger Sohn starb mit 23 durch einen Unfall.

In dem Gebiet des zweiten Zentrums Hingraj Nagar leben fast ausschließlich Schafhirten. Sie glauben nicht an Kindererziehung und Bildung. Dieses ist auch der Grund, warum die indische Regierung hier einen Kindergarten errichtet hat. Dieser ist bis zum Mittag geöffnet. Ashaben nutzt das Gebäude für ihre "drop-out-school" nachmittags und abends. In diesem Zentrum bekommt Ashaben auch noch weitere Unterstützung von der Regierung, um die 38 Kinder zu unterrichten. Hoffentlich der Anfang einer langfristigen Zusammenarbeit, auch in anderen Zentren.

Das Zentrum University City war beim Start Teil einer staatlichen Grundschule. Leider waren die Lehrer sehr unzuverlässig. Das Zentrum wurde an einen anderen Ort verlegt. In dieser Slumgegend leben überwiegend Straßenarbeiter. 32 Kinder kommen hier regelmäßig zum Unterricht. Anfangs lief es schleppend, mittlerweile wissen die Bewohner auch dieses Zentrum zu schätzen.

Lodheswhar Chowk ist das vierte Zentrum, das Ashaben eröffnet hat. Es liegt gegenüber vom Kathiawar Balashram. Eine arme Gegend, die viele von uns, die das Kinderheim besucht haben, kennen. Die Menschen hier kennen Ashaben aus Zeiten als sie noch im Balashram tätig war. Hier haben die Slumbewohner Ashaben gebeten das Zentrum zu errichten. 40 Kinder werden hier täglich unterrichtet.

Im Schnitt verdienen Eltern deren Kinder diese "drop-out-schools" besuchen zusammen umgerechnet 40 € im Monat. Für Unterricht und Schulmaterialien bezahlen sie nichts. Für eine Lehrerin ist der Unterricht Zuverdienst. Sie bekommt 24 € im Monat. Der angemietete Unterrichtsraum kostet 40 € pro Monat. Assistenten und Hilfskräfte bekommen 12 € im Monat. Hinzu kommen Kosten für Gesundheitsvorsorge, Lebensmittel und Sanitäranlagen. Die monatlichen laufenden Kosten für eine "drop-out-school" belaufen sich somit auf  ca. 10.000 Rupien, das entspricht umgerechnet ca. 200 €. Mit einfachsten Mitteln kann man den Kindern eine Grundausbildung verschaffen.