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Ashabens' “drop-out-schools” in RajkotStellen Sie sich ein 10 qm großes Zimmer vor, als Sitzgelegenheit vielleicht ein eisernes Bettgestellt oder ein Stuhl, an den Wänden 2-3 bunte Plakate mit Bildern von Gemüse und Früchten, Tieren oder Fahrzeugen, versehen mit ihren Bezeichnungen in Gujarati und Englisch. Auf dem Boden sitzen etwa 20 Kinder zwischen 5 und 10 Jahren, die eifrig der Lehrerin lauschen. Die Tür des halbdunklen Raumes steht offen, ab und zu schaut ein Erwachsenengesicht interessiert herein. Es ist 16 oder auch 18 Uhr. Was lernen die Kinder zu dieser ungewöhnlichen Zeit in einem Raum, der offensichtlich nicht zu einer Schule gehört, sondern in einem Häuschen in einem Stadtviertel liegt, in dem sichtbar die „kleinen“ Leute wohnen? Sie lernen das, wozu andere Kinder den Vormittag verwenden, wozu diese Kinder aber keine Zeit haben, weil sie dann entweder arbeiten oder auf kleine Geschwister aufpassen müssen, wenn beide Eltern arbeiten. Oder weil sie in der staatlichen Regelschule mit ihren überfüllten Klassen und oft desinteressierten Lehrern bisher völlig übersehen wurden und gar nichts gelernt haben. Also aus dem normalen Schulbetrieb Herausgefallene, „drop-outs“.
Um die Errichtung, den Betrieb und die Finanzierung solcher privater Kleinstschulen in Rajkot kümmert sich Ashaben Shah seit einigen Monaten, seitdem sie die Heimleitung des Balashram, die sie seit mehr als zwanzig Jahren innehatte, abgegeben hat. Bis jetzt gibt es drei davon, Anfragen für weitere gibt es viele. Alle drei habe ich im August 2004 mit ihr zusammen besucht. Obwohl der Unterricht noch nicht begonnen hat, es ist Nachmittag, laufen ein paar Kinder herbei, auch einige Mütter stellen sich an die Tür. Es sind besonders die Mütter, denen die Erziehung ihrer Kinder am Herzen liegt, trotz oder gerade wegen ihrer eigenen mangelnden Bildung und ihrer ärmlichen Lebensverhältnisse. Denn die Eltern sind oft aus ländlichen Gegenden ins boomende Rajkot eingewandert, aus Madya Pradesh oder aus Rajastan, sprechen selbst wenig oder gar nicht Gujarati, arbeiten als Treiber für die Kühe, als Rikschafahrer, machen Gelegenheitsarbeit oder Papad ( Papadum ) in Heimarbeit. Wenn es hoch kommt, verdienen beide Eltern zusammen 2.000 Rupies (ca. 40 €) im Monat. Für den Unterricht bezahlen sie nichts, im Gegenteil, die Kinder erhalten Tafeln, Stifte, manchmal einfache Taschen. Für die Lehrerin bedeutet diese Arbeit ein Zuverdienst. 1.000 Rupies (ca. 20 €) erhält sie dafür im Monat, die Miete des Zimmers kostet 500 Rupies (ca. 10 €), das „Gehalt“ einer Hilfslehrerin, übrigens eine junge Frau, die im Balashram aufgewachsen ist, beträgt ebenfalls 500 Rupies (ca. 10 €).
Also für 2.000 Rupies im Monat kann eine solche Schule mit einfachsten Mitteln wenigstens eine Grundbildung den Kindern verschaffen, die ansonsten Analphabetentum und Armut in die nächste Generation transportieren würden.
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