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An dieser Stelle haben wir Berichte & Eindrücke gesammelt
und Leseideen für Indien-Interessierte zusammengestellt

Schon lange, bevor wir unsere Töchter aus Rajkot adoptierten, habe ich gerne Romane über Indien gelesen, obwohl sie oft von kaum erträglichem Leid erzählen. Wahrscheinlich suche ich nach den Gründen, weshalb so viele Inder trotz der schwierigen Lebensumstände freundlich und optimistisch sind. Wie schaffen sie es, eine positive Lebenseinstellung zu bewahren? Falls Sie dieser Frage auch nachgehen möchten, stelle ich ein paar meiner Lieblingsbücher kurz vor:

"Das Gleichgewicht der Welt" (A fine balance) von Rohinton Mistry

Dies ist die Geschichte von zwei Schneidern, die während der Herrschaft von Indira Gandhi auf Arbeitssuche nach Bombay kommen. Für mich zeigt dieser Roman am besten, dass nicht die Schicksalsschläge, die wir erleben, unser Leben bestimmen, sondern wie wir mit ihnen umgehen.

"Mitternachtskinder" (Midnight’s children) von Salman Rushdie

Ein Klassiker über die Entwicklung von Indien von Anfang des 20. Jahrhunderts bis Indira Gandhi – fantasievoll und unterhaltsam, mit einer eher niedrigen "Elendsquote". Sehr zu empfehlen sind auch Rushdies Bücher "Scham und Schande" (Shame), das die Geschichte Pakistans erzählt und "Des Mauren letzter Seufzer" (The moor’s last sigh), das in Südindien beginnt und in Bombay der 90er endet.

"Der Gott der kleinen Dinger" (The god of small things) von Arundhati Roy

Sehr bekannt und erfolgreich, der Roman erzählt von einem Geschwisterpaar in Südindien das trotz seiner eher wohlhabenden Familie und christlichen Religion lernen muss, was das Kastensystem heute noch bedeutet. Sehr eindringliche Schilderungen von Kindheitserlebnissen – ich habe das Buch kein zweites Mal lesen können.

"Eine gute Partie" (A suitable boy) von Vikram Seth

Ein dickes Buch über die Suche einer Mutter und ihrer Tochter nach der besagten guten Partie. Lohnt die Mühe, sich einzulesen! Nachher ist es wie Urlaub in Indien….

"Das geteilte Haus" (What the body remembers) von Shauna Singh Baldwin

Weil seine geliebte Frau ihm kein Kind schenkt, nimmt ein wohlhabender Sikh ein junges Mädchen als zweite Frau. Dieses Buch zeigt, wie aus einem fröhlichen Kind ein ängstliches Mädchen werden kann, dessen Ehre für das Mädchen selbst und für ihre Familie zu einer enormen Last wird, und auch wie sehr das Glück indischer Frauen von ihren Männern und männlichen Verwandten bestimmt wird.

"Vishnus Tod" (The death of Vishnu) von Manil Suri

Anhand der Erlebnisse und Erinnerungen von Vishnu, der im Treppenhaus eines Wohnblocks in Bombay wohnt und dort im Sterben liegt, wird das Leben der Hausbewohner dargestellt. Kleinigkeiten machen deutlich, warum Inder das Leiden anderer scheinbar gleichgültig betrachten können. Würden wir für einen sterbenden Obdachlosen so selbstverständlich einen Krankenwagen rufen, wenn wir die Kosten persönlich übernehmen müssten?

"Knotenpunkt Bhowani" (Bhowani Junction) von John Masters

Interessant an diesem 1954 erschienenen Roman ist der aus heutiger Sicht unglaubliche Rassismus, der die Beziehungen zwischen Indern, Engländern und Anglo-Indern während des Unabhängigkeits-Kampfs prägt.

"Die fünf Seiten des Lebens" (Love and longing in Bombay) von Vikram Chandra

Eine Sammlung sehr unterschiedlicher Erzählungen, die mich sehr beeindrucken und faszinieren.

Diese Bücher sind meist in www.amazon.de zu bestellen, teilweise auch gebraucht. Wer weitere Vorschläge haben möchte (ich habe noch einige!), oder mir seine Lieblingsbücher empfehlen möchte (sehr gern!) kann mich per E-Mail erreichen unter catherine.stransky@t-online.de.

Catherine Stransky